Archiv für die Kategorie „Allgemeines“

Geistliches Wort

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Ich bin immer wieder fasziniert, mit welcher Freude sich junge Menschen entscheiden, in unserer Gemeinde ehrenamtlich mitzuarbeiten. Wenn ich nach ihrer Motivation frage, höre ich Gründe wie: Ich will mitgestalten, etwas Neues machen und erleben und das vor allem mit anderen.

Da ist noch nichts von Entmutigung und Enttäuschung zu spüren, weder die Rede von Verpflichtungen und Notwendigkeiten noch von „Scheren im Kopf“.

Wir, die wir uns schon lange engagieren, sei es ehrenamtlich oder hauptamtlich, kennen beide Seiten: Wir erfahren in unserer Arbeit viel Freude bei der Entwicklung von Visionen und Ideen, erleben zuweilen aber auch Enttäuschungen und Resignation.

In solchen Situationen ist mir Nehemia aus dem Alten Testament zum Vorbild geworden.

Nehemia ist höchstwahrscheinlich im babylonischen Exil geboren und aufgewachsen. Er war ergriffen von der Vision, Jerusalem als Stadt Gottes wieder sichtbar zu machen. Dafür wollte er seine Gaben und Fähigkeiten einsetzen und machte sich auf den Weg dorthin. Als er in der zerstörten Stadt ankam, begann er mit dem Wiederaufbau der Stadtmauer. Ein fast unmögliches Unterfangen, denn er stieß sowohl auf Gegenwehr als auch auf Resignation. Trotz aller Widrigkeiten und Rückschläge gelang ihm der Wiederaufbau der Stadtmauer und letztendlich, dass Jerusalem wieder neu aufgebaut wurde.

Was ist das Geheimnis von Nehemia?

Nehemia bewegt vor Gott immer wieder, was ihn beschäftigt.

Er lässt sich anrühren von der Situation und den Menschen und achtet dabei auf seine Gefühle.

Er lässt sich Zeit.

Da gibt es keinen unüberlegten Aktivismus.

Ein zentraler Faktor ist für Nehemia das Gebet.

So kann in ihm ein inneres Bild des Vorgehens entstehen.

So erkennt er den richtigen Zeitpunkt für die Gespräche und kann seinem Gegenüber mit einer inneren Freiheit begegnen. Diese Bodenhaftigkeit und auch Spontaneität gewinnt er, weil er auf Gott vertraut.

Nehemia begegnet dabei jedem Menschen mit Achtung und Wertschätzung. Er hört sozusagen aktiv zu, ist bereit, beim Zuhören zu lernen und achtet auf sowohl auf die Inhalte als auch auf die Gefühle und Absichten der anderen. Er vermeidet Aufsehen und Gefühlsausbrüche.

Er weiß um die Komplexität der Zusammenhänge und stößt niemanden vor den Kopf. Er bezieht in seine Überlegungen die verschiedenen Möglichkeiten mit ein.

Nachdem er sich einen umfassenden Überblick verschafft hat, beginnt er mit den Beteiligten, konkrete Schritte zu planen. Dabei motiviert Nehemia die Verantwortlichen und die Betroffenen.

Das ganze Vorhaben und die entwickelten Pläne bringt er immer wieder vor Gott. Das ist die Quelle für seinen Mut und seine Kraft. Ich denke, wir alle können von Nehemia zwei Dinge lernen:

  1. Er geht die Herausforderungen, die an ihn gestellt werden, aktiv an.
  2. Er bringt seine Pläne immer wieder vor Gott, fragt ihn nach dem richtigen Weg. Er legt seine Entscheidungen in Gottes Hand.

Ich persönlich finde das ganz schön clever. In Aktion bleiben und zugleich darauf vertrauen, dass Gott die richtigen Zeichen setzt. Beides zusammen macht wirklich stark.

Lassen wir uns wie Nehemia tragen von dem Vertrauen, „dass der Gott des Himmels es uns gelingen lassen wird“ (Neh. 2,20).

Ihre Barbara Johann

Geistliches Wort

Dienstag, 26. Juni 2018

„Schreibst du das Geistliche Wort für den Gemeindebrief?“ Als Pfarrer im Ruhestand bin ich gerne dazu bereit. Da ich aber mit der Gemeinde nur begrenzt vertraut bin, habe ich keine direkten Anknüpfungspunkte für meine Gedanken. So lasse ich mich von dem leiten, was dem Kirchenjahr nach in den kommenden Wochen wichtig ist. Die vielen Sonntage nach Trinitatis wollen uns dafür achtsam machen, wie in uns wächst, was Gott in unser Leben geschenkt (in bäuerlicher Tradition: gesät) hat.

Das Lebensgeschenk Gottes machen wir uns anschaulich in unseren großen Festen. Dazu lese ich im letzten Gemeindebrief: „Ostern ist der Sieg der Liebe über Hass und Gewalt, über Leid …“. Der Monatsspruch für August, der mich für diesen Gemeindebrief beschäftigt, lässt uns da noch einmal genauer hinhören, hinschauen. Er steht im 1. Johannesbrief (4,16) und heißt:

„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm“.

Wer den Zusammenhang liest, findet zwei wichtige Hinweise:

einmal: der Text ist in einer Situation geschrieben worden, in der es heftigen Streit gegeben hat. Am Ende hat eine Gruppe in der Gemeinde des Johannes allen anderen Gemeindegliedern Gastfreundschaft und Unterstützung verweigert. Ja, es heißt sogar: deren Leiter wirft die, die da nicht mitmachen wollen, „aus der Gemeinde(gruppe)“. Darum ist an die, die da exkommuniziert werden, die Mahnung wichtig, nicht mit gleicher Münze zu reagieren: „ahme das Böse  nicht nach“. Das klingt vertraut, aber es überfordert uns total. Wir können in aller Regel nicht über abweisendem, aggressivem Verhalten uns gegenüber stehen und besonnen reagieren.

Deswegen ist das andere wichtig: wir müssen dabei nicht auf uns selber sehen, auf unsere Gefühle, auf unsere innere Kraft. Alles, was wir auf Angriffe sagen und tun, was wir füreinander an Gutem tun können, lebt – so glauben wir – nicht von unseren Möglichkeiten, sondern allein aus der Liebe, die Gott uns schenkt. Er macht uns stark. Er zeigt uns, was in einem Konflikt weiterhilft.

Für den Verfasser des 1. Johannesbriefes steht das nicht in Frage. In Frage steht, ob wir das gerade in schwierigen Situationen bei uns ankommen lassen: „… wer in der Liebe bleibt …“ – in der Beziehung zu Gott, zu Jesus.

„… bleiben …“ – das klingt so, als müssten wir da etwas tun. Und das ist auch nicht ganz falsch. „Bleiben“ können wir nur, wenn wir auf die – oft leise – Stimme des Heiligen Geistes (an dem wir durch unsere Taufe Anteil haben dürfen und der nach Jesu Verheißung in uns wohnt) in uns hören, die uns zusagt: auch jetzt, auch hier, auch in dieser Krise ist Gott bei uns und führt uns da hindurch. Denn er kann und will all das, was uns im Leben Widerstand leistet in seine Hand nehmen und in seine Geschichte mit uns einbauen. Aller Hass,  alle  Gewalt  und  alles  Leid (siehe oben) können ihn nicht von dem Ziel abbringen, zu dem er uns bringen will. Um das zu hören, müssen wir die Stimmen in uns und um uns herum überhören, die uns einflüstern, wir könnten mit den Schwierigkeiten und Hindernissen, mit den Verletzungen und Enttäuschungen aus eigener Kraft umgehen. Das geht oft nicht alleine, weil diese Stimmen in uns ziemlich dominant sein können. Aber dazu können und dürfen wir uns gegenseitig helfen – im Dasein füreinander, in Begleitung auf Wegstrecken im Leben, im Zuspruch von unseren Erfahrungen mit Gott, im Zuspruch von geprägten Worten unseres Glaubens aus der Bibel oder dem Gesangbuch, im Gebet.

In solch einem Prozess des „Bleibens“ will und wird uns Gott die Augen öffnen, dass seine Liebe ja nicht nur uns gilt und denen, die uns vertraut sind. Jesus ist für das Heil aller Menschen in diese Welt gekommen – auch für die, die mir, die uns Schwierigkeiten machen.

In einer Auslegung habe ich gefunden – und damit bin ich wieder beim Geistlichen Wort aus dem letzten Gemeindebrief: In der Liebe bleiben heißt, in Gottes Liebe hineinfinden, „eine Liebe, die allen Menschen gilt, den Fremden wie den Nahen, den Einheimischen wie den Flüchtlingen, aber auch dem Freund wie dem Feind. In Gottes Liebe bleiben heißt nicht mehr und (nicht) weniger, als in den anderen Menschen Personen zu sehen, die Gott ebenso liebt wie mich und  für die  er mir  die Verantwortung übertragen hat, die er selbst in seiner Liebe schon längst für mich übernommen hat.“ (Dr. Adelheid M. von Hauff in Pastoralblätter 7-8/  2018, vorab Gratisimpuls).

Vielleicht gibt es in dem, was auf den folgenden Seiten dieses Gemeindebriefes steht, Impulse, Anstöße, sich darauf einzulassen.

Ihr Hartmut Richter

Liebe Gemeinde,

Dienstag, 20. März 2018

in diesem Tagen feiern wir das Osterfest. Ostern ist der Sieg der Liebe über Hass und Gewalt, über Leid und Tod. Dieses Ereignis schreibt den menschenfreundlichen Willen Gottes in diese bis zum Wahnsinn angstbesetzte und gewalttätige Welt. Es hebt all das Schreckliche und Leidvolle dieser Welt nicht einfach auf. Aber es macht deutlich, dass alles unter dem Vorzeichen der Liebe Gottes steht. Ostern ist das unumkehrbare Bekenntnis der Liebe und des Lebenswillens Gottes. Damit ist aber die Geschichte Jesu nicht zu Ende. Sie geht weiter. Im Matthäus-Evangelium heißt es in Kapitel 28 ganz am Ende, nachdem Jesus von den Toten auferweckt wurde:

Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

In der Taufe bekennen wir uns zu Jesus Christus als unserem Leitstern und Lebensfundament. Sie ist das sichtbare Zeichen für die Liebe Gottes und klärt auf einfache Weise, was uns als Christen ausrichtet und was uns verbindet. Uns verbindet die menschenfreundliche Liebe Gottes, die allen seinen Geschöpfen gilt. Sie gilt unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter, Kultur, Sprache, ja sogar Religion.

Das scheint heutzutage wieder deutlicher gesagt werden zu müssen, weil es in unserem Land in manchen Teilen der Gesellschaft salonfähig und akzeptiert wird, Menschen mit einem Migrationshintergrund oder einem anderen Glauben und einer anderen Kultur zu beschimpfen, auszugrenzen oder sogar Gewalt anzutun. Mit ständigen Unterstellungen, Lügen und Grenzüberschreitungen werden vor allem Menschen muslimischen Glaubens aber auch jüdischer Herkunft bloßgestellt und angegriffen. Ihnen wird das Recht auf ein Leben in Deutschland abgesprochen oder ihnen werden bösartige Absichten unterstellt. Es wird unterstellt, sie seien mit ihrem Glauben und ihrer Kultur eine Bedrohung. So wird ein Klima der Angst erzeugt, das schnell in Hass umschlagen kann und in den letzten Jahren auch umgeschlagen ist. Die vermehrten Anschläge auf Flüchtlinge, Muslime oder Juden und ihre Einrichtungen machen das deutlich. Verstörend finde ich auch die Solidarisierung mit Tätern wie das in Freital geschehen ist. Verharmlosung und Relativierung solcher Gewalt gehört auch dazu.

Dabei berufen sich diese Gruppen und Parteien oft auf ein christliches Gedankengut, eine christlich geprägte Kultur oder den christlichen Glauben. In Wirklichkeit geht es aber um eine völkische Gemeinschaft, die durch Blutsbande verbunden sind, wie krude und falsch das auch sein mag. Einige wenige nehmen für sich in Anspruch zu bestimmen, wer dazu gehört und wer nicht. Sie spalten so die Gesellschaft in wir und die.

Der christliche Glaube lässt sich dafür nicht in Anspruch nehmen. Was Menschen darin verbindet, ist das Bekenntnis zu der umfassenden Liebe Gottes. Dieses Bekenntnis duldet keine Verachtung und Gewalt gegenüber anderen. Ja, es sieht in der Vielfalt von Kulturen einen großen Reichtum. Das schließt nicht aus, dass man über Werte streitet und darüber diskutiert, wie diese Gesellschaft beschaffen sein soll. Es ist sogar nötig. Wir haben übrigens in unserem Land eine Verfassung, die dafür einen sinnvollen Rahmen liefert. Ihn miteinander zu füllen, bleibt unsere Aufgabe. Für mich ist der christliche Glaube eine gute Grundlage dafür.

Ich bin froh darüber, dass diese Gruppen und Parteien in Deutschland nur eine kleine Minderheit sind, auch wenn sie für sich beanspruchen, für das Volk zu sprechen. Sie tun es nicht! Genausowenig wie Islamisten für die Mehrheit von Muslimen stehen. Der überwiegend größte Teil von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund lebt seit Jahrzehnten friedlich in diesem Land und trägt zu seinem Wohlstand und seinem kulturellen Reichtum bei.

Ich bin überzeugt: Dieses Land hat Platz für viele Kulturen und Glaubensvorstellungen. Aber nicht für eine Kultur, in der Menschen diskriminiert oder bedroht werden. Hier ist kein Platz für Antisemitismus oder Rassismus jeglicher Couleur. Hier ist kein Platz für Extremismus und Gewalt. Diese Überzeugung wird getragen durch den Glauben an die Auferweckung Jesu, in der die Liebe Gottes gesiegt hat.

Ihr Jörg Beckers

21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen,

Montag, 29. Januar 2018

21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Liebe Gemeinde,

diese Worte aus 2. Mose 13 sind mir seit Jahren ein inneres leuchtendes Bild, das mich ermutigt und stärkt. Ursprünglich ein äußeres Zeichen für die Gottesgegenwart bei der Rückkehr Israels in seine Heimat, ist es mir zu einem Bild der Gewissheit geworden, dass Gott uns auf unseren Lebenswegen begleitet und uns hilft, in unserem Leben eine Heimat zu finden. Glaube ist ein sich geführt wissen durch die Zeiten und die Gewissheit: Es ist gut, dass ich hier bin.

In unserer Suche nach Heimat in diesem Leben ist Gott uns Wegbereiter und Zielbestimmer. Er ist unser Navigationssystem und unser Gefährte. Er ist unser inneres Traumbild und die Garantie auf Zukunft. Das hat Israel damals aufbrechen lassen und es will auch uns ermutigen auf unseren Wegen. Unsere Zukunft ist aufgeladen mit einer Verheißung: Gott geht mit dir und hilft dir dabei, hier Heimat zu finden.

Das ist ein anhaltender Prozess. Immer wieder verändert sich etwas in unserem Leben. Immer wieder stehen wir vor Veränderungen, in denen wir Ermutigung und Orientierung brauchen.  Auch  die  Kirchengemeinde steht wieder an der Schwelle zu etwas Neuem. Wie sie diesem Monatsbrief entnehmen können, verlässt uns Pfarrer Hilka zum 1. März. Ob das größere Veränderungen nach sich zieht, ist noch nicht absehbar. Vieles bleibt natürlich beim Alten. Diese Kirchengemeinde lebt von den vielen Menschen, die sie tragen und in ihr für tolle Angebote sorgen. Aber der Weggang von Pfarrer Hilka stellt uns in der nächsten Zeit vor neue Herausforderungen, die Kraft und Zeit in Anspruch nehmen werden. Wie lange das dauert, ist nicht klar.

Entscheidend ist mir an diesem Punkt das Vertrauen, dass wir nicht allein sind auf unserem Weg. Wir gehen gemeinsam in dem Glauben, dass Gott an unserer Seite ist und uns hilft, gute Lösungen zu finden. Sie alle sollen einem Ziel dienen, dass wir als Kirchengemeinde einen kleinen Beitrag dazu leisten, Menschen in dieser Welt Heimat zu schaffen. Das ist unsere Aufgabe. Es gelingt nicht immer und kann für beide Seiten auch mit Enttäuschungen verbunden sein, aber viele Menschen haben hier ihre Heimat. Mit ihnen sind wir unterwegs und fragen, wie das gelingen kann. Wir tun dies im Vertrauen, dass Gott uns führt und erleuchtet. Wir tun das gemeinsam.

Ihr Jörg Beckers,

“Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.” (Hebräer 13,14)

Freitag, 1. Dezember 2017

Liebe Gemeinde,

wonach richten wir uns in unserem Leben aus? Was treibt uns an? Was wollen wir erreichen?

Wenn ich mir das Wort aus dem He-bräerbrief anschaue und dann auf die Menschen um mich herum blicke, kann ich nur sagen: Das Himmelreich spielt nur für wenige eine Rolle. Viele Menschen können diese Sehnsucht, wie sie der Autor des Hebräerbriefes zum Ausdruck bringt, sicherlich nicht verstehen. Meistens sehnt man sich doch nach irdischen Dingen, frei nach dem Motto: “Der Himmel kann warten.” Und was ist nicht alles erstrebenswert! Da geht es nicht nur um Wichtiges, Lebensnotwendiges wie Gesundheit; genügend Geld, um über die Runden zu kommen; Menschen, mit denen man reden kann und die einem zur Seite stehen. Nein, wir sehnen uns nach mehr. Und selbst wenn wir allen Luxus besäßen, wären wir wohl noch lange nicht zufrieden. Der Mensch ist selten mit dem zufrieden, was er hat.

Das wird gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit wieder allzu deutlich, wo sich vieles nur um Geschenke, Wunschzettel und Rabatte in den Geschäften dreht. Man versucht, und das ist auch schön und wichtig, jemandem mit Materiellem eine Freude zu machen. Was aber dabei oftmals untergeht, ist der Sinn von Weihnachten und die Botschaft, die mit der Geburt des Kindes in der Krippe verbunden ist: Gott tritt in unser Leben und kommt uns ganz nahe. Und genau auf diesen Gott und die Zukunft, die er für uns bereithält, weist das Wort aus dem Hebräerbrief hin. Es zeigt uns, dass wir unser Leben nicht zu sehr auf Irdisches bauen sollten, so notwendig und so angenehm das auch manchmal sein mag. Es gibt für Christinnen und Christen Wichtigeres als das. Wir haben diese Dinge mit Blick auf die Ewigkeit nur einen Moment und für unser Seelenheil tragen sie rein gar nichts aus. Irgendwann müssen wir sie loslassen, denn das, was uns jetzt so wichtig erscheint, wird einmal vergehen. Und was bleibt dann? Wichtiger wäre es, angesichts dessen zu schauen, was mich auch in meinem Leben und Sterben wirklich tragen kann. Die Antwort darauf muss jeder und jede für sich selbst finden. Vielleicht ist es ja auch für Sie das Wissen um eine andere, göttliche Welt, oder, wie es im Hebräerbrief heißt, die zukünftige Stadt?

Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

Michael Hilka

Liebe Gemeinde,

Donnerstag, 5. Oktober 2017

der Baum, der auf dem Foto abgebildet ist, steht im Garten des Ehepaares König. Er ist durch ein ehemaliges Zifferblatt unserer Turmuhr gewachsen, das vor vielen Jahren ausgetauscht wurde. Das Ehepaar König hat ihn auf dem Stamm eines alten Zwetschgenbaumes befestigt. Dieser war alt und ebenfalls unbrauchbar geworden, also wurde er gefällt, um Platz zu machen für dieses Zifferblatt. Wie sie sehen, hat der Baum neues Leben gewonnen.S22C-117082415290 Durch das Zifferblatt hindurch ist ein neuer Baum gewachsen. Es war noch genügend Kraft in diesem alten Stamm und seine Wurzeln haben ihn mit neuem Leben versorgt. Der neue Baum entspricht aber nicht dem alten. Es ist nicht der veredelte Zwetschgenbaum, sondern die ursprüngliche, wilde Zwetschge, die nun herangewachsen ist. Hildegard König-Grewenig hat für dieses Wahrzeichen des Lebens einen wunderbaren Spruch ersonnen: Er lautet:

Die Kraft der Wurzel

wächst durch die Zeiten.

Man kann es nicht treffender ausdrücken und dieses Sinnbild des Lebens macht deutlich, wie sehr wir aus unseren Wurzeln leben und wieviel Kraft, wir aus unseren Wurzeln ziehen. Um es bildlich zu sagen: Wir sind Kinder des Himmels und der Erde. Wir brauchen beides, um erfüllt leben zu können: Einen Ursprung, aus dem wir leben und ein Ziel, dem wir uns entgegenstrecken. So wie der Baum sich dem Licht entgegenstreckt, so sehnen wir uns nach Liebe, nach Güte, nach all dem, was unser Wesen reicher, schöner und größer macht.

Mir ist dieses Bild auch zum Sinnbild unserer Kirche geworden. Wir feiern in diesem Jahr den Thesenanschlag Martin Luthers. Es wurde der Initialschlag für eine Reformation, die die Kirche grundlegend veränderte.

Martin Luther wollte zurück zu den Wurzeln unseres Glaubens. Er wollte zurückkehren zu dem Menschen, den unsere Kirche als ihren Ursprung bekennt und aus dem sie lebt: Jesus Christus. In ihm sehen wir uns im Licht Gottes. Wir selbst brauchen nichts leisten, nichts darstellen. Gott liebt uns und wir brauchen zu dieser Liebe nur Ja sagen. Alles, was wir tun und an Frucht bringen, entspringt dem Glauben an diese Gnade Gottes. Wir wurzeln in der Liebe Gottes. Um diesem Glauben wieder Geltung zu verschaffen, hat er die Kirche grundlegend umgestaltet. Er hat den Baum radikal gestutzt und alles beseitigt, was diesem Glauben widerspricht. Aus der Wurzel wuchs dann ein neuer Baum. Für Martin Luther war diese Gestalt näher an der ursprünglichen Kirche.

Wir erinnern uns in diesem Jahr an diese Erneuerung, die von vielen Männern und Frauen ausgegangen und vorangebracht worden ist. Dieser evangelische Glaube ist immer noch lebendig. Er gibt uns Halt. Er trägt uns. Er nährt uns. Er gibt uns Kraft. Natürlich ist auch unsere Kirche nicht mehr dieselbe. Auch die evangelische Kirche musste sich in den letzten Jahren immer wieder reformieren, musste ihre Wurzeln neu in den Boden des Evangeliums strecken, um Gottes Liebe zu erfahren und zu erkennen, an welchen Stellen Reformation nottut.

Die Zeiten haben uns verändert. Wir haben lernen müssen, dass die Diakonie ein wesentlicher Bestandteil unserer Kirche ist. Wir haben lernen müssen, dass man Glauben nicht erzwingen kann und wir im Respekt vor dem Bekenntnis der anderen den Dialog mit anderen Konfessionen und Religionen suchen müssen. Wir haben lernen müssen, dass Frauen in denselben Ämtern und Diensten zur Verkündigung des Evangeliums beitragen sollen. Wir haben 400 Jahre gebraucht, aber aus unserer Kirche sind Frauen als Pfarrerinnen und Prädikantinnen nicht mehr wegzudenken. Wir haben vieles lernen müssen.

Das ist eine der Stärken unserer Kirche. In dem sie sich dem Wort und dem Geist Gottes stellt und indem sie auf die Menschen achtet, kann sie sich immer wieder erneuern. In den letzten Wochen habe ich viel darüber nachgedacht, was für mich ganz persönlich wichtig ist an unserer evangelischen Kirche. Es ist die Freiheit des Glaubens, sich weiterzuentwickeln, ohne den Bezug zu seinen Wurzeln zu verlieren. Auch das macht mir das Bild des Baumes, der durch das Ziffernblatt wächst, deutlich: unser Glaube wächst mit und durch die Zeit.

Beten wir darum, dass Gott uns durch seinen Geist diese Kraft zu Erneuerung immer wieder zuteilwerden lässt und uns mit seinem Wort stärkt, damit wir Frucht bringen.

Ihr Jörg Beckers, Pfr.

Vielen Dank an Ruth König für das Foto.

Liebe Gemeinde,

Dienstag, 27. Juni 2017

wenn die Ferien im Saarland angefangen haben, ticken die Uhren gerade anders als sonst: Büros und Arztpraxen sind geschlossen oder haben nur eine Notbesetzung. Regelmäßig stattfindende Veranstaltungen legen eine Pause ein. Viele haben sich schon gleich auf den Weg in den Urlaub gemacht, um endlich einmal Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und auszuspannen. Und die, die hiergeblieben sind, genießen die Sonnentage im Schwimmbad oder bei einem Eis in der Stadt. Alles steht unter dem Motto: „Einfach mal die Seele baumeln lassen.“ Das tut gut und hebt die Stimmung. Ich freue mich immer darüber, dass sich stressige Zeiten und der Alltagstrott mit Zeiten abwechseln, in denen Vieles leichter zu sein scheint. Und ich danke Gott dafür, dass es diese Abwechslung gibt.

Ob Gott eigentlich auch einmal – wie viele von uns – Urlaub macht und ausspannt? Man könnte geneigt sein zu sagen: „Das hätte er sich bei dem Stress, den er mit den Menschen hat, auch verdient!“ Aber die Frage ist definitiv mit Nein zu beantworten, denn anders hieße das ja, dass es Momente in unserem Leben geben müsste, in denen Gott nicht bei uns wäre, in denen er uns uns selbst überlassen würde. Das widerspräche aber sowohl Gottes Wesen als auch unserem Glauben, denn eine „gottlose“ Zeit oder einen „gottlosen“ Ort gibt es nirgends auf der Welt. Es ist gut zu wissen, dass Gott uns und unsere Lieben (und alle Anderen auch!) nicht aus den Augen verliert, egal wo wir gerade sein mögen: in Frankreich, Spanien, an der Nordsee oder daheim.

Psalm 121, ein Zuspruch und Segenswort, bringt das so auf den Punkt:

Ich hebe meine Augen auf

zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt vom HERRN,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß

nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels schläft

noch schlummert nicht.

Der HERR behütet dich;

der HERR ist dein Schatten

über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages

die Sonne nicht steche

noch der Mond des Nachts.

Der HERR behüte dich

vor allem Übel,

er behüte deine Seele.

Der HERR behüte

deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit!

Möge Gott die Reisenden unter uns segnen und seine Hand über die halten, die zu Hause bleiben. Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete, schöne Ferienzeit!

Ihr Michael Hilka