Archiv für die Kategorie „Allgemeines“

Liebe Gemeinde,

Montag, 27. März 2017

auf dem Bild sehen Sie die Geschichte der Emmausjünger aus Lukas 24 dargestellt. Eine der schönsten Auferstehungsgeschichten, die uns die Bibel überliefert. Nach dem Tod Jesu verlassen zwei Jünger den Ort der Kreuzigung. Sie kehren in ihren Heimatort zurück. Alle ihre Hoffnungen, ihre Träume von einer neuen Welt sind zerstört. Die Beziehung zu diesem wundervollen Menschen scheint abgebrochen. Es gibt nichts mehr zu tun. Nichts mehr, was sie in Jerusalem hält. Im Gegenteil, sie wollen diesen Ort des Schmerzes und der zerstörten Hoffnungen verlassen. Sie brauchen Distanz in ihrer Trauer.

Also machen sie sich auf den Weg nach Hause und wollen in ihr altes, gewohntes Leben zurückkehren. Schon hier geschieht etwas Wunderbares, Kostbares, Not Wendendes. Hier tun sich zwei zusammen, die trauern. Sie teilen ihre Trauer, ihren Schmerz. Sie reden miteinander. Vielleicht mit wenigen Worten, stockend, mühsam, weil sie den Mittelpunkt ihres Lebens verloren haben. Aber sie reden. Sie leugnen nicht den Schmerz und das Dunkle. Sie lassen sich darauf ein und indem sie teilen, wird der Tod Jesu erträglicher.

Auf diesem Weg begegnet ihnen der auferstandene Christus. Aber die Jünger erkennen ihn nicht. Es heißt: „Ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.“ Michael Schibilsky hat dazu geschrieben: „Schöner und treffender lässt sich  kaum beschreiben, wie Trauernden zumute ist, was sie sehen und was sie nicht sehen können und wollen. Wie oft erleben Trauernde, dass sie von gutmeinenden Begleitern abgelenkt werden wollen, dass ihnen harmonische und versöhnliche Bilder vor Augen geführt werden – die Schönheit, die immer noch um sie herum da ist. Trauernde aber sehen anders als Nicht-Trauernde. Ihre Augen werden von der Trauer gehalten, festgehalten durch die Bilder von Tod und Sterben.“

Das braucht seine Zeit.

Jesus weiß darum und fragt sie nach dem, was sie miteinander besprechen. Er lädt sie zum Erzählen ein. Er lässt Nähe zu und öffnet sich. So können die beiden Jünger von Jesus erzählen, von seinem Leben und seinem Sterben. Und sie bringen auf den Punkt, was ihnen so weh tut. „Wir aber hofften, er werde Israel erlösen.“ Enttäuschte Hoffnungen sind ein wesentlicher Bestandteil von Trauergefühlen. Sie müssen zu Wort kommen. Sie brauchen Raum. Erst danach können sie sich öffnen für Trost und eine neue Perspektive.

Dabei hilft ihnen Jesus. Er hört erst zu, aber dann mischt er sich in ihre Trauer ein, mischt sich ein in ihre Sinndeutung des Lebens. Er lässt ihrer Trauer Raum, aber hilft ihnen, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Er schimpft sogar mit ihnen, um ihnen nun die Augen zu öffnen: Dass dieser Weg nötig war, um Gottes Liebe und Macht deutlich zu machen.

Sein Sterben war nicht sinnlos, sondern hatte ein Ziel. Dieser Jesus besiegelt mit seinem Tod das, was er gelebt hat: die Liebe Gottes zu den Menschen. Daran hält er fest bis in den Tod. Dafür steht er mit seinem Leben ein.

Die Jünger spüren, wie gut ihnen dieser Mensch tut. Sie haben ihn immer noch nicht erkannt. Aber es tut gut, erzählen zu können, und er macht mit seinen Worten ihren Herzen Mut. Darum wollen sie, dass er auch in dieser Nacht bei ihnen bleibt. „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden ...“ Was für ein wundervoller Satz. Es ist der Satz aller Trauernden. Denn Trauer macht unser Herz dunkel und so klammern sie sich an jeden Funken Hoffnung, der in ihnen aufleuchtet.

Darum nötigen sie ihn, mit ihnen zu essen und erst da erkennen sie ihn. Erst als er ihnen das Brot bricht, werden ihnen die Augen geöffnet. Ihr Meister und Freund ist nicht im Tod geblieben, sondern wurde auferweckt von den Toten. ER LEBT! Jesus Christus ist auferstanden von den Toten. Gott hat ihn hindurchgebracht durch das Reich des Todes und ihn zu neuem Leben erweckt. Die Liebe Gottes ist mächtiger als alle lebensfeindlichen Mächte. Sein Wille, Leben zu schaffen und zu erhalten, ist größer als alles andere. Für die Jünger beginnt nun ein neues Leben.

Was den Jüngern gilt, gilt auch uns. Die Geschichte sagt in Worten und Bildern: Der auferstandene Christus begleitet Dich durch Dein Leben. Auch in schweren Zeiten bist Du nicht allein auf Deinem Weg. Diese Ostererfahrung ist nicht immer greifbar. Zweifel, Anfechtung, Resignation stehen dem oft im Wege. Aber Du darfst darauf vertrauen, dass Christus Dich auch darin begleitet und Dir hilft, Perspektiven und Lebenswillen zu finden.

Im Abendmahl haben wir ein Zeichen für diese Nähe und Gegenwart Christi. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal mit anderen Abendmahl feiern. Es stärkt uns mit der Kraft des Auferstandenen.

Ihr Jörg Beckers

Foto: Fenster mit Darstellung der Emmausjünger in der Ev. Kirche Saarlouis

Liebe Gemeinde,

Mittwoch, 22. Februar 2017

Ende Februar beginnt nach der ausgelassenen „Faasend“ die Passionszeit. Das ist die Zeit, in der wir des Leidens und Sterbens Jesu gedenken und unser eigenes Leben vor Gott bedenken. Es ist die Zeit, in der wir uns neu auf Gott ausrichten sollen. Wir sollen uns bewusst mit uns selbst und dem, was wirklich zählt, beschäftigen und es nicht übergehen oder im Trubel des Alltags untergehen lassen. Dafür braucht es Ruhe, das Gebet und einen ehrlichen Blick auf sich selbst.

Wenn ich einmal selbst aus mir heraustrete und mich von außen betrachte, was zugegebenermaßen nicht immer so einfach ist, sehe ich Dinge, die mir an mir nicht gefallen. Dieser unverstellte Blick auf mich selbst tut manchmal weh und ich frage mich dann, wie Gott wohl einige meiner Verhaltensweisen, Charaktereigenschaften und meinen Umgang mit Anderen sieht. Und weil ich die Antwort auf diese Frage sehr genau kenne, versuche ich, mich zu ändern.

Doch sofort rebelliert alles in mir, denn ich weiß genau: Wie oft habe ich schon versucht, mich zu ändern, und wie selten hat es geklappt! Der Mensch ist schwach und, was sich über Jahre und Jahrzehnte in einem eingeschlichen und ausgebildet hat, wird man nicht so einfach los, selbst wenn man es möchte. Einen inneren Schalter, den man umlegen könnte, gibt es nicht.

Was also tun? Die Jahreslosung für das Jahr 2017 lenkt unseren Blick auf Gott. Sie lautet:

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hesekiel 36,26)

Gott weiß um die guten Fähigkeiten des Menschen, aber auch um sein Unvermögen, ganz seinem Willen zu entsprechen. Der Mensch bekommt es in den wenigsten Fällen alleine hin, das, was er gerne an sich abstellen würde, auch wirklich abzustellen. Aber, und das finde ich ungemein tröstlich, Gott kann es! Die Jahreslosung aus dem Buch des Propheten Hesekiel sagt ganz klar, dass Gott alleine die Initiative ergreifen wird, um den Menschen zu berühren, und dass ich selbst eigentlich nichts tun kann. Er ist es, der Herz und Geist, Denken und Fühlen des Menschen einmal verändern wird. Was dem Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich! Freilich muss ich das auch wollen und dafür bereit sein, denn wenn ich mich verschließe und gar nicht an mir arbeiten will, wird auch Gott in mir nichts bewegen.

Die Passionszeit lädt uns also ein, uns bewusst mit uns zu beschäftigen und unser Leben im Gebet vor Gott zu bringen. Bitten wir ihn, uns zu helfen, uns immer wieder auf ihn und an seinem Willen auszurichten! Möge Gott das Seine zu unserem Wollen dazutun! Und selbst, wenn wir immer hinter dem zurückblieben, wie wir sein sollten: Ein Blick voraus auf den Tod Jesu an Karfreitag und seine Auferstehung an Ostern genügt, um zu sehen, auf wessen Seite Gott steht – um Jesu willen nämlich auf unserer. Er hat das Seine eigentlich schon dazugetan!

Ihr Michael Hilka

Liebe Gemeinde,

Montag, 28. November 2016

nichts rührt uns so an wie die alten Lieder und Geschichten in diesen Advents- und Weihnachtstagen, die von dem Kind im Stall erzählen, von Maria und Josef auf ihrer Herbergssuche, von den Hirten auf dem Felde und den Königen, die kommen, um das Kind anzubeten. Vieles davon ist uns tief vertraut, anderes leuchtet nur im Hintergrund auf.

So ist es mir bis jetzt mit Maria gegangen. Anders als im katholischen Glauben, wo sie einen zentralen Platz in der Frömmigkeit besitzt, spielt die Gottesmutter, die reine Magd, im evangelischen Glauben keine hervorgehobene Rolle mehr. Eine Anbetung ist sogar völlig ausgeschlossen. Dabei hat Luther doch immer mit herzlicher Zuneigung und großer Verehrung von Maria gesprochen. Für Luther ist Maria die exemplarisch Glaubende, denn sie ist der Inbegriff der Demut, ohne die kein rechter Glaube empfangen werden kann.
Meint: Vor Gott können wir nichts mitbringen oder etwas durch menschliche Leistung oder Arbeit erlangen. Glaube ist ein Geschenk. Das ist nun typisch evangelisch.

Deutlich wird das im Lobgesang Marias, im Magnificat in Lukas 2. In einer Auslegung, die dem 18-jährigen Herzog Johann Friedrich gewidmet ist, macht Luther deutlich, was Maria uns bedeutet. Dort lobt Maria Gott mit den Worten:

Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes, denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Namen heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht. Lukas 2, 46 ff.

Maria ist in Luthers Augen die vorbildlich Glaubende, weil sie sich Gott ganz anvertraut. Das ist weit davon entfernt, Frauen in der Gesellschaft die Rolle der Magd zuzuweisen oder sonst ein bestimmtes Rollenverständnis zu postulieren oder zu konstruieren. Im Gegenteil: Für Luther übernimmt Maria hier eine, wenn nicht die entscheidende Rolle in der Verkündigung. Mit ihrem Lobgesang weist sie weg von sich auf Gott hin. Gott macht gerecht. Verkündigung ist also nicht an Stand, Rang, Ansehen, Geschlecht, Vermögen oder eine sonstige menschliche Leistung gebunden. Und Demut und Niedrigkeit meint eben nicht, dass man sich vor Menschen klein macht oder dass Frauen in untergeordneten und (von Männern) festgelegten Rollen verharren. Im Gegenteil: Demut meint, unabhängig von Stand und Ansehen und Reichtum auf Gott schauen und seinem Wort gehorchen. Vor Gott gibt es keine Unterschiede. Das gibt eine unglaubliche Kraft und Freiheit.

Wir sind heute, was die Gleichberechtigung von Frau und Mann angeht, Gott sei Dank ein gutes Stück weiter. Für uns ist es z. B. selbstverständlich, dass Frauen alle Ämter, die diese Gesellschaft zu vergeben hat, innehaben dürfen. Auch eine Bundeskanzlerin ist uns selbstverständlich. Das hat lange gedauert und war für Luther noch nicht denkbar. So haben wir auch als evangelische Kirche lange gebraucht, bis wir Frauen die Ordination möglich machten und Pastorinnen auf die Kanzel steigen durften. Aus unserer heutigen Sicht ist das unverständlich: Ist doch Maria die erste Verkünderin. Gut, dass ihr weitere gefolgt sind und folgen. Sie machen unsere Verkündigung reicher. Auch das ist inzwischen gut evangelisch und ich möchte nicht mehr darauf verzichten. Luther hat dazu mit seiner Glaubensfreiheit die Grundlage gelegt.

Ihr Jörg Beckers

P.S.: In diesem Sinn passt es doch gut, dass unsere größte „neue“ Glocke Maria heißt und nun ihre Stimme erhebt, um mit wunderbarem Klang die Menschen zum Gottesdienst einzuladen.

Liebe Gemeinde,

Donnerstag, 29. September 2016

„Wir Evangelischen kennen die Bibel“, sagte einmal eine Frau in der Frauenhilfe zu ihrer katholischen Sitznachbarin und meinte damit, dass man früher in der Konfirmandenzeit viele Psalmen, Gebete und wichtige Bibeltexte auswendig lernen musste. Und in der Tat haben viele Ältere aus der Kirchengemeinde das alles bis heute im Gedächtnis. Wenn ich etwa auf dem Friedhof stehe und den Psalm 23 mit „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln …“ anstimme, sehe ich, wie viele der Anwesenden leise mitbeten können. Oder wenn ich im Seniorenheim die Abendmahlsworte „Der Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot …“[1] laut spreche, bewegen sich die Lippen der Bewohnerinnen und Bewohner mit. Sie sind mit der Bibel groß geworden.

„Wir Evangelischen kennen die Bibel“, sagte die Frau und meinte damit die Lutherbibel. Diese ist die Bibelübersetzung aus dem Hebräischen und Griechischen, den Ursprachen der Bibel ins Deutsche. Martin Luther selbst begann damit 1521 in seinem Exil auf der Wartburg und überarbeitete den Text bis 1545 immer wieder sprachlich.

Zwischen 1545 und heute liegen nun aber mehrere Jahrhunderte und die deutsche Sprache hat sich weiterentwickelt. Vieles aus der Übersetzung von 1545 wurde in der Zeit danach unverständlich. Aus diesem Grund hat man den Luthertext in mehreren Etappen der Gegenwartssprache behutsam angepasst. Die derzeit in den evangelischen Kirchen maßgebliche Ausgabe stammt aus dem Jahr 1984.

Die Texte aus der Lutherbibel sind die Texte, die die Evangelischen im Ohr und im Herzen haben. Sie kennen ihre Sprache, die bisweilen für heutige Ohren antiquiert und fremd klingt, aber eine ungeheure Sprachkraft besitzt und die die deutsche Sprache stark beeinflusst hat. Sprichwörter wie „Hochmut kommt vor dem Fall“[2], „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“[3], „sein Licht unter den Scheffel stellen“[4] oder „sein Scherflein beitragen“[5] stammen aus der Lutherbibel.

„Wir Evangelischen kennen die Bibel“, sagte die Frau. Sie ist aber mit eine der letzten, die das sagen kann, und damit geht gleichzeitig auch ein großer Schatz aus biblischen Geschichten, Gebeten und Bildern verloren, auf den man in allen Lebenslagen zurückgreifen kann. Wie viele Menschen haben aus der Vision des Johannes, in der er einen neuen Himmel und eine neue Erde sieht, die Gott schaffen will[6], angesichts des Sterbens Kraft gezogen! Wie viele Menschen sind unter dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“[7] für eine Welt ohne Waffengewalt eingetreten! Wie viele Ehepaare haben unter Verweis auf Jesus Christus ihre Ehe geführt und auch, wenn es sein musste, um sie gekämpft!

„Wir Evangelischen kennen die Bibel“, sagte die Frau. Auch wenn das nur noch für einen Teil unserer Gemeindeglieder stimmen dürfte, so hat vielleicht doch der ein oder andere jetzt Lust bekommen, die Bibel wieder einmal aufzuschlagen. Ein Anlass dazu könnte sich (zum Beispiel) ab dem 19. Oktober bieten, wenn eine neue Lutherbibel in den Handel kommt. In mühsamer Kleinarbeit hat die Evangelische Kirche von Deutschland die Lutherbibel (nun) noch einmal sprachlich überarbeiten, Übersetzungsfehler ausmerzen, viele Stellen genauer übersetzen, Kapitelüberschriften verändern und das Layout moderner gestalten lassen. Dabei wurde versucht, die gewaltige Sprachkraft Luthers zu erhalten. Bekannte Texte, die sich tief in das Bewusstsein der Evangelischen eingegraben haben, wurden deshalb kaum angerührt. So werden wir an Weihnachten immer noch „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“[8] hören – so, wie wir es kennen, und nicht etwa in modernem Deutsch: „Zu jener Zeit hat Kaiser Augustus angeordnet, dass sich alle Menschen in seinem Reich in Steuerlisten eintragen sollen.“

Eigentlich spielt es aber keine Rolle, welche Bibelübersetzung wir benutzen. Dem einen gefällt eher der klassische Luther, einen Anderen spricht eine Übersetzung in modernes Deutsch[9] an und wieder ein Anderer sucht vielleicht eine sehr wörtliche Übertragung[10]. Jeder kann die für sich passende Übersetzung finden, mit der er gut zurechtkommt. Hauptsache ist, dass das Wort Gottes gelesen und mit ihm gelebt wird.

„Wir Evangelischen kennen die Bibel“, sagte die Frau. Ich sage: „Wir sollten sie kennen.“ Über Generationen hinweg haben die biblischen Geschichten, Gebete und Texte die Menschen begleitet, getröstet, zum Danken angeregt, inspiriert. In ihnen wird vom Fundament unseres Glaubens erzählt. Aus ihnen erfahren wir, wer und wie Gott ist. Die Bibel sollte die geistliche Heimat der Christinnen und Christen sein.

Ich kann Sie nur ermutigen, die Bibel wieder einmal in die Hand zu nehmen, darin zu stöbern, einzelne Texte zu lesen. Vielleicht beginnen Sie mit dem kurzen Markusevangelium oder mit den bekannten Geschichten aus dem 1. Buch Mose. Das ist nicht viel und die Texte sind ansprechend. Und wenn Sie Fragen haben, fragen Sie uns! Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit der Bibel und gute Entdeckungen!

Ihr Michael Hilka


[1] 1. Korinther 11,23-25

[2] Sprüche 16,18

[3] Prediger 10,8; Sprüche 26,27

[4] Matthäus 5,15

[5] Markus 12,42

[6] Offenbarung 21,1-5

(7) Micha 4,3

(8) Markus 10,9

(9) z. B. Gute Nachricht Bibel

(10) z. B. Elberfelder Bibel

Liebe Gemeinde,

Montag, 4. Juli 2016

als ich dieses Geistliche Wort schreibe, haben wir erst vor wenigen Tagen Pfingsten gefeiert. Da gibt es in unserer Gemeinde eine wunderbare Tradition am Pfingstmontag. Wir treffen uns seit über 20 Jahren mit den katholischen Geschwistern der Kirchengemeinde Wallerfangen auf der Teufelsburg, um miteinander Gottesdienst zu feiern und dann noch ein bisschen zusammenzubleiben. Trotz eisiger Kälte und sintflutartigen Regenschauern trafen sich auch dieses Jahr gut 70 Menschen. Wegen des frostigen Wetters rückten wir eng zusammen, und die Stimmung war wie immer fröhlich. Das ist der Sinn von Pfingsten. Menschen werden vom Geist Gottes erfüllt, verlassen ihre Häuser und erzählen von der großen Güte Gottes, die ihnen widerfahren ist. Sich völlig fremde Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichen Kulturen und Sprachen begegnen einander und finden einen Weg, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Auch wir verlassen an diesem Pfingstmontag unsere gewohnten Mauern – in diesem Fall die Kirchen-mauern – und machen uns auf, um einander zu begegnen. Mauern hindern Verstehen und lassen uns einander fremd werden, schüren Misstrauen, wecken unsere Ängste. Mauern lassen uns auf der Stelle treten, erstarren, geistlich und geistig. Mauern schnüren unsere Herzen ein. Es sind nicht nur steinerne Mauern, die das tun. Es sind die Mauern in unseren Herzen und Köpfen, die Menschen und Völker, Religionen und Kulturen voneinander trennen.

Die Bibel erzählt, dass Kain, der Brudermörder, der erste Städtebauer war. Damit drückt sie aus, dass es Kains Angst vor der Rache der anderen ist, die ihn hinter Mauern treibt. Es sind unsere Ängste, die uns Mauern errichten lassen. Aber hinter Mauern werden unsere Ängste immer nur größer. Sie gewinnen an Macht, weil man sich von anderen abschottet. Manchmal mag es gut sein, einen Ort zu haben, wo man Zuflucht findet, sicher ist und auch bei sich. Aber wenn Mauern Begegnung verhindern, dann entsteht eine Atmosphäre, in der der Fremde, das Fremde uns bedrohlich und gefährlich erscheint. Auch wenn das tatsächlich gar nicht der Fall ist.

Im Moment werden wieder überall Mauern und Grenzen errichtet. Es werden auch Ängste geschürt und Bedrohungen an die Wand gemalt, die keinen realen Hintergrund haben. Richtig ist: Die Menschen die aus ihren Ländern fliehen und bei uns Zuflucht suchen, stellen uns vor große Herausforderungen. Wir haben sie in Deutschland mit viel Mut und Engagement angenommen und uns dieser Situation gestellt. Alleine das ist eine Leistung, auf die wir stolz sein können. Auch das ist Pfingsten!

Natürlich gibt es berechtigte Sorgen, wie wir das bewältigen. Aber man muss nicht diese Sorgen gegen die Not der Flüchtlinge ausspielen. Wer hier Ängste und Neid schürt, der schafft die Voraussetzungen für Aggressionen und Gewalt gegen andere. Es geht darum, Lösungen für diese Herausforderung zu suchen. Lösungen, die auch die Not der Flüchtlinge nicht aus dem Blick lässt. Diese Lösungen finden wir nur Miteinander und im Dialog. Das gilt auch für das Miteinander mit anderen Kulturen und Religionen wie dem Islam. Wer Millionen von Menschen in unserem Land unter Generalverdacht stellt – ihre Religion würde diesem Land schaden und sie würden nicht dazugehören – errichtet Mauern, die neue Probleme schaffen.

An Pfingsten überwindet Gott die Mauern, die uns trennen. Wir leben nicht mehr aus der Angst zu kurz zu kommen, wir definieren uns auch nicht mehr durch Abgrenzung und Ausgrenzung, sondern werden erfüllt von seinem Geist, der mutig und offen auf andere zugeht. Pfingsten steht für Begegnung zwischen völlig Fremden. Er zielt auf Verständigung zwischen den Kulturen und Völkern.

Ich möchte an dieser Stelle meinen Dank ausdrücken an alle, die daran mitwirken.

Ihr Jörg Beckers

Liebe Gemeinde,

Mittwoch, 6. April 2016

die neuen Presbyterinnen und Presbyter sind gewählt und in ihr Amt eingeführt. Jetzt wartet viel Arbeit auf sie: Sie müssen sich mit Verwaltungs-, Personal-, Finanz- und Baufragen auseinandersetzen. Sie müssen Ausschüsse besetzen und ihr liturgisches Recht in Bezug auf Gottesdienste ausüben. Sie müssen unsere Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit den beiden Pfarrern leiten. Alles das ist wichtig und notwendig. Doch eins sollte dabei nicht vergessen werden: Kirchengemeinde ist kein Selbstzweck, sondern sie steckt den Rahmen dafür ab, innerhalb dessen unser christlicher Glaube mit allen seinen Facetten gelebt und das Evangelium von Jesus Christus die Menschen erreichen kann.

Dafür sind nicht nur das Presbyterium und die Pfarrer verantwortlich, sondern alle Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Saarlouis. In der Kirchenordnung (quasi dem „Grundgesetz“ unserer Kirche) heißt es nämlich in Artikel 14, Absatz 2:

„(Die Mitglieder der Kirchengemeinde) nehmen an den Gottesdiensten und am Heiligen Abendmahl teil. Sie sind für die Ausbreitung des Evangeliums und den Dienst der christlichen Liebe mit verantwortlich. Sie achten darauf, dass der Sonntag und die christlichen Feiertage geheiligt werden (…)“

Die Mitglieder der Kirchengemeinde sind für die Ausbreitung des Evangeliums mit verantwortlich… Genau das hat seine biblische Grundlage in einem Wort aus dem ersten Petrusbrief, Kapitel 2, Vers 9, der auch der Monatsspruch für April ist:

„Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“

Was für eine Zusage! Wir alle sind Priester, Heilige, Eigentum Gottes. Ist uns das bewusst? Und ist jedem und jeder von uns auch der Auftrag bewusst, der damit einhergeht – die Wohltaten Gottes verkündigen? Wer nimmt diesen Auftrag ernst? Und vor allem: Wer traut sich zu, mit Anderen über den Glauben und das, was einen trägt, zu reden? Diese Frage wird vor allem dann wichtig, wenn Anfragen von Menschen kommen, die mit unserem Glauben wenig anfangen können und die von uns Rede und Antwort erwarten.

Vor einiger Zeit hat der Arbeitskreis Ökumene mit Vertretern der Dillinger Moschee unsere Kirche besucht. Dabei wurden an uns von muslimischer Seite viele Rückfragen gestellt:

- „Warum gießen Sie bei der Taufe Wasser über den Kopf und tauchen das Kind nicht ganz unter?“

- „Welche christlichen Riten gibt es?“

- „Woran erkennt man einen Christen?“

- „Was trägt Sie über den Tod hinaus?“

Was würden Sie antworten? Auf diese Fragen eine Antwort zu finden, ist manchmal gar nicht so einfach.

Gott traut uns auf jeden Fall zu, seine Liebe in Wort und Tat weiterzutragen und Auskunft über unsere Hoffnung zu geben. Und selbst, wenn uns das schwerfallen sollte, bleibt die Zusage, das Versprechen erhalten: Wir gehören zu Gott, ohne Wenn und Aber.

Der Auftrag für unsere Presbyterinnen und Presbyter ist klar. Ich wünsche ihnen, dass sie aus diesem Auftrag und dem Wissen um Gottes Nähe Freude, Inspiration und Geduld für ihre Arbeit bekommen. Und ich wünsche ihnen Männer und Frauen an der Seite, die sich ihrer Heiligkeit, ihrer Priesterschaft und ihrer Gottverbundenheit bewusst sind. Gemeinsam bauen wir an Gottes Gemeinde. Möge die gute Nachricht von Jesus Christus durch uns alle viele Menschen in Saarlouis, Überherrn und Wallerfangen erreichen!

Ihr Michael Hilka

Liebe Gemeinde,

Mittwoch, 3. Februar 2016

am 14. Februar 2016 werden in den Kirchengemeinden unserer Landeskirche neue Presbyterien gewählt.

14 Männer und Frauen stehen in Saarlouis zur Wahl, 12 von ihnen werden in Zukunft zusammen mit den Pfarrern und den Mitarbeiterpresbyterinnen unsere Kirchengemeinde leiten. An der Spitze der Kirchengemeinden steht somit nicht ein einzelner Mann oder eine einzelne Frau, die die alleinige Entscheidungsgewalt in Bezug auf Gottesdienstform, Finanzen, Beschäftigung von Mitarbeitenden und vielem mehr hätten, sondern ein ganzes Gremium. Auf kommunaler Ebene würde man das Presbyterium mit dem Gemeinde- oder Stadtrat gleichsetzen. Andere Kirchen sind zum Teil anders verfasst mit einer ausgeprägten Hierarchie und einer Entscheidungsgewalt in den Händen einiger Weniger. Unsere Kirche aber, die Evangelische Kirche im Rheinland, ist stolz auf ihre demokratische Struktur, die sich auf allen Ebenen durch Wahlen und die Zusammenarbeit von Theologen und Laien zeigt.

Viele Menschen, die einen Einblick in kirchliche Abläufe haben, beklagen allerdings den Aufbau unserer Kirche „von unten nach oben“ mit ihren Gremien, Arbeitsgruppen und Ausschüssen, denn diese können die Entscheidungsfindung erschweren und manchmal zu einer langwierigen Sache machen. Aber stellen Sie sich einmal vor, es wäre anders: Ein Mann oder eine Frau würden alleine entscheiden und für eine Kirchengemeinde bestimmen, was richtig und was falsch ist! Das würde so manchem übel aufstoßen, wäre man doch von der Laune und den Glaubensüberzeugungen eines Einzelnen abhängig.

Jetzt ist es aber so, dass wir ein Presbyterium haben. Das soll, wie es in der Kirchenordnung heißt, „sich bemühen, seine Beschlüsse einmütig zu fassen.“ Nicht immer ist das einfach. Es kann auch passieren, dass seine Mitglieder miteinander diskutieren müssen, dass sie um Wahrheiten und den richtigen Weg, der eingeschlagen werden soll, ringen müssen, dass verschiedene Ansichten und Überzeugungen zusammenkommen, über die sich verständigt werden muss – das alles getreu dem Motto, das der Apostel Paulus im 1. Thessalonicherbrief, Kapitel 5, Vers 21 schreibt:

„Prüft alles, das Gute behaltet.“

Das Gute behalten, das Gute wirken, das ist das, was das Presbyterium nicht um seiner selbst willen, sondern um des Glaubens und der Gemeinde willen möchte. Und auch Sie können an der Gestaltung und Entscheidungsfindung unserer Kirchengemeinde mitwirken, indem Sie beispielsweise am Wahltag von Ihrem Wahlrecht gebrauch machen und den Kandidatinnen und Kandidaten, die Ihrer Meinung nach im Presbyterium mitarbeiten sollen, Ihr Vertrauen aussprechen.

Ich bedanke mich bei allen, die sich zur Wahl stellen, und wünsche denen, die gewählt werden, Gottes Segen für Ihre Arbeit in unserer Kirchengemeinde

Das neue Presbyterium wird übrigens im Gottesdienst am 6. März eingeführt.

Ihr Michael Hilka